Am Sonntagabend kam es auf RTL und ntv zum ersten Quadrell der vier Kanzlerkandidaten. Alle vier schlugen sich relativ gut, wobei es aber doch Unterschiede gab. Insgesamt war Merz der klare Sieger, der auch den wichtigsten Satz des Abends formulierte.
Alle vier konnten punkten und ihre eigene Wählerschaft überzeugen, aber einer war insgesamt klarer Sieger des Abends
Die vier Kanzlerkandidaten von Union, AfD, SPD und Grünen machten am Sonntagabend für ihr jeweiliges Wählerklientel sicherlich keine schlechte Figur. Alle konnten mehrfach punkten, wenngleich es durchaus Unterschiede gab in der Performance.
Alice Weidel (AfD) wirkte wesentlich souveräner als am Donnerstag beim ZDF-Klartext. So brachte sie beispielsweise Friedrich Merz (CDU) in Verlegenheit, als sie immer wieder insistierte, dass die Union ja mit SPD oder den Grünen koalieren müsse, weil sie die AfD kategorisch ausschließe. Inhaltlich hatte Weidel aber erneut Schwierigkeiten, mit den drei anderen mitzuhalten. Bei vielen Fragen wich sie entweder ganz aus oder konnte kaum konkret werden und erging sich in sehr allgemeinen Formulierungen.
Robert Habeck (Grüne) konnte auch Akzente setzen, machte aber von den drei anderen doch den schwächsten Eindruck. Auch fiel er immer wieder durch eine sehr unangenehme Mimik auf, wenn er sehr herablassend grinste. Er konnte bei den Zuschauern auch am wenigsten von allen punkten. Über die Grünen-Anhänger hinaus erreichte er quasi niemanden.
Olaf Scholz (SPD) machte einen sehr wachen und lockeren, auch angriffslustigen Eindruck. Seine Performance war insgesamt die zweitbeste. Er konnte wahrscheinlich auch bei einigen punkten, die bis dahin noch nicht sicher waren, die SPD zu wählen. Sein großes Manko bleiben aber natürlich die letzten drei Jahre der desaströsen Ampel-Politik, die er als Kanzler zuallererst zu verantworten hat. Dagegen kann auch ein sehr solider bis guter Wahlkampf nicht mehr ankommen.
Der Sieger des Abends war eindeutig Friedrich Merz (CDU). Merz war zwar nicht überragend, aber immer sehr solide, sehr staatsmännisch, sachlich und kompetent. Man merke ihm eindeutig an, dass er Kanzlerformat besitzt. Und er setzte das absolute Highlight des Abends. Dazu gleich mehr.
42 Prozent der Zuschauer sahen in Merz denjenigen, der Deutschland am besten führen könne
Insgesamt sahen das auch die Zuschauer so und voteten nach der Sendung in einer Forsa-Blitzumfrage auf die Fragestellung, wer von den vieren kann das Land am besten führen, wie folgt:
Habeck schnitt bei dieser entscheidenden Frage mit nur 13 Prozent am schlechtesten ab. Dies entspricht auch ziemlich genau dem Zustimmungswert der Grünen, sprich Habeck wünschen sich ausschließlich die Grünen-Anhänger als Kanzler. Weidel wünschen sich nur ca. 78 Prozent der AfD-Anhänger als Kanzlerin. Das heißt, sie kann nicht einmal die eigenen Anhänger voll überzeugen.
Scholz kann drei bis vier Prozentpunkte der Wähler mehr überzeugen als die SPD. Das zeigt wohl, dass seine Performance als überdurchschnittlich gut gewertet werden kann. Mit großem Abstand am überzeugendsten schnitt aber Friedrich Merz ab, den 42 Prozent als den besten Kanzlerkandidaten ansehen. Das sind rund zwölf Punkte mehr als sie die Union derzeit erhält. Das heißt, Merz konnte auch viele überzeugen, die im Moment noch nicht sicher waren, CDU oder CSU zu wählen.
Die Szene des Abends: Weidel schießt sich selbst völlig ins Aus und Merz macht dies ganz klar deutlich
Und es war auch Friedrich Merz, der die Schlüsselszene des Abends für sich verbuchen durfte. Nachdem Alice Weidel gesagt hatte, Deutschland würde von Russland nicht mehr neutral wahrgenommen werden, entgegnete Friedrich Merz kurze Zeit später etwas sehr Wichtiges. Die Forderung von Weidel, Deutschland solle sich neutral verhalten, wenn Russland die Ukraine, ein europäisches Land, das sich zur westlichen Welt und zur freiheitlichen Demokratie bekennt, überfällt und in seiner staatlichen und kulturellen Identität zu vernichten versucht, ist politisch so absurd und moralisch dermaßen eine Bankrotterklärung, dass man dafür kaum Worte findet. Sehr treffende Worte fand hierauf aber Friedrich Merz. Für mich der Höhepunkt des Abends.
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Um es pointiert zu formulieren: Jemanden, der „neutral“ sein will, wenn ein R U vergewaltigt und einem selbst droht, er würde einen umbringen, wenn man sich einmischen und U helfen würde, jemanden, dem möglichst gute Beziehungen zu R wichtiger sind als alles andere, den wählt man nicht, es sei denn man sympathisiert mit R, dem Vergewaltiger, der einem droht, er würde einen umbringen, wenn man U hilft, und der bereits angekündigt hat, dass mit U noch lange nicht Schluss sein würde, dass dies erst der Anfang wäre. So jemanden wählt man einfach nicht! Mit dieser Position schießen sich Weidel und die AfD vollkommen ins Aus.
Quelle: Jürgen Fritz
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