Die neuesten Entwickungen in der Krisenregion – Seit zwei Jahren herrscht Bürgerkrieg im Sudan

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Ende März berichteten sudanesische Medien, dass der Präsidentenpalast in der sudanesischen Hauptstadt Khartum von den sudanesischen Streitkräften (SAF) zurückerobert wurde. Der Palast, der auch als Regierungssitz dient, war wie andere Teile der Hauptstadt seit April 2023 von den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF) besetzt. Die Rückeroberung stellt für die sudanesische Armee einen wichtigen Meilenstein im anhaltenden Konflikt dar. Auch mehrere Ministeriumsgebäude und ein großer Teil der Hauptstadt befinden sich wieder unter militärischer Kontrolle der SAF. Ein Ende des Krieges ist jedoch noch nicht absehbar, da die RSF-Rebellen noch immer mehrere strategisch wichtige Gebiete des Landes kontrollieren und in anderen Regionen weitergekämpft wird. Vor allem im westlichen Darfur gehen die Kämpfe unvermindert weiter. Ein Ende des Krieges ist in weiter Ferne, da auch die verschiedenen politischen Initiativen im In- und Ausland erfolglos bleiben. In der Zwischenzeit leidet die sudanesische Bevölkerung unter einer der schlimmsten humanitären Katastrophen weltweit.

Steffen Krüger

„In dem fast zweijährigen Bürgerkrieg hat die Sudanesische Armee (SAF) erhebliche Fortschritte bei der Rückeroberung von Gebieten gemacht, die zuvor an die RSF verloren gegangen waren, darunter ein Großteil der sudanesischen Hauptstadt Khartum. Nun sieht die sudanesische de-facto Regierung, die sich derzeit im östlichen Port Sudan aufhält, eine Chance, die RSF entscheidend zu besiegen und vollständig zu zerschlagen. Die Rebellenmiliz zeigt sich jedoch widerstandsfähig und kämpft erbittert um die Rückeroberung von Gebieten, aus denen sie sich zurückziehen musste, oder um die Eroberung bisher unbesetzter Gebiete. Besonders die südwestliche Region Darfur gilt als Hochburg der RSF.

Als die SAF bekannt gab, dass sie den Präsidentenpalast zurückerobert und das Stadtzentrum fast vollständig unter ihre Kontrolle gebracht hatte, veröffentlichte der Kommandeur der RSF, Mohamed Hamdan Dagalo (auch bekannt als Hemedti), ein vorproduziertes Video, in dem er versprach, dass seine Truppen die Hauptstadt nicht verlassen würden. Sie würden weiterkämpfen und der SAF, „die 70 Prozent ihrer Kampfflugzeuge verloren habe“, schwere Verluste zufügen. Jüngsten Berichten zufolge hat die RSF moderne Waffen erworben, darunter Langstrecken-Drohnen, Flugabwehrsysteme und hochentwickelte Ausrüstung für die elektronische Kriegsführung, darunter leistungsstarke Störsender. Dies wird als Zeichen gewertet, dass die Unterstützung der RSF durch die Haftar Miliz in Libyen und die Vereinigten Arabischen Emirate trotz internationaler Verurteilung weiterhin funktioniert. Einige ausländische Staaten wie die Vereinigten Arabischen Emirate, Russland und Libyen haben in den Kriegsjahren profitable Geschäfte mit Gold und anderen Bodenschätzen abgeschlossen. Zudem liegt Sudan mit seiner Küste am Roten Meer und dem Zugang zu Zentralafrika in einer geostrategisch wichtigen Lage.

Die politischen Bemühungen der RSF führten zu einem Bündnis, das vor kurzem offiziell als „Sudan Founding Alliance“, auch bekannt als Taasis, gegründet wurde. Diese besteht neben der RSF aus 23 weiteren Milizen und zivilen Organisationen, darunter das Sudanese People’s Liberation Movement – North (SPLM-N) unter der Führung von Abdel-Aziz Al-Hilu. Die SPLM-N war Teil der Kriegsparteien in den beiden Sezessionskriegen (1955-1972 und 1983-2005) im Sudan.

Die „Sudan Founding Alliance“ wurde am 23. Februar 2025 in der kenianischen Hauptstadt Nairobi vorgestellt und hat das Ziel eine parallele „Regierung des Friedens und der Einheit“ aufzustellen. Der RSF-Anführer Hemedti bezeichnete sie als das größte politische, militärische und soziale Bündnis im Sudan, das die Sudanesen unter einem Dach vereine, um für Gerechtigkeit zu kämpfen. Einige Analysten werteten Hemedtis Initiative als verzweifelten Versuch, die Moral seiner Truppen nach einer Reihe schwerer militärischer Niederlagen zu stärken. Es ist aber auch ein Zeichen, dass sich die Fronten weiterhin verhärten und ein Friedensprozess im Sudan in weiter Ferne liegt.“

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Quelle: Konrad-Adenauer-Stiftung – Länderbericht