Edle Manufakte mit ausgefallenen Kunsterzeugnissen miteinander zu verbinden und als kostbare Kombination in den eigenen Locations zu präsentieren mag für manche Unternehmer besonders reizvoll sein, es kann sogar zur Leidenschaft werden. Das Resultat lässt sich z.Z. in einer Schau in einer Gegend im Herzen von München sehen, die prestigevoller nicht sein könnte. Die Rede ist vom „Prisco-Haus“, dem herrlichen Palast mit der Jugendstilfassade am Prinzregentenplatz, der seit Jahrzehnten zum Dreh- und Angelpunkt des gehobenen Stoffgeschäfts in ganz Europa geworden ist. Der Palast befindet sich vis-à-vis vom Prinzregentheater. Mit ihm führt er Dialog auf gleicher Augenhöhe, so wie es Arturo Prisco mit dem legendären Intendanten August Everding tat, mit dem er auch freundschaftlich verbunden war. Auf den vier Etagen des historischen Bauwerks eröffnete der ideenreiche Italiener „Idea Prisco“, die erste und bedeutendste private Stoffmesse der Welt. An dem Ort begann für den aufstrebenden Bücherverkäufer aus der Brianza, einer für ihren Unternehmergeist bekannten Region rund um Mailand, ein Abenteuer, das ihn von Null auf zu einem der erfolgreichsten Geschäftsmännern im Handels- und Immobiliensektor aufsteigen ließ. Von München aus erweiterte er seinen Wirkungsbereich in Richtung ehemaliger DDR und trug u.a mit der Errichtung der nach ihm genannten „Priscos Luxuspassage“ zwischen Zwinger und Frauenkirche zur Neu-Belebung Dresdens wesentlich bei. Dort, wo weltbekannte Marken wie Escada, Tod’s, Gucci und Breitling ihre Show-Rooms haben, befindet sich nun sein Hauptquartier, was ihn allerdings nicht daran hindert, bei Eröffnung einer Ausstellung bei „Prisco Contemporary“, seiner neuen Galerie im „Prisco-Haus“ anwesend zu sein. In dem raffinierten Münchner Ambiente mit antiken Holzfußböden und feinen Stuckverzierungen an den hohen Decken werden derzeit unterschiedliche Positionen – Installation, Fotografie und Malerei – junger deutschen Künstler gezeigt. Weiße fliegende Tauben empfangen den erstaunten Besucher in Form einer spektakulären Rauminstallation, die von mehr als 500. 000 Personen in verschiedenen Städten von London bis Jerusalem bereits gesehen wurden und bald auf Tournee nach Salisbury, St. Petersburg und San Francisco wandern wird. Der Flug der „Colombes“ beflügelt die Phantasie und entführt den Betrachter in ungeahnte Regionen. Damit will Michael Pendry, Münchner Künstler mit britischen Wurzeln und langjähriger Erfahrung als Bühnenbildner und „Lichtdramaturg“ – u.a unter Dieter Dorn an den Kammerspielen, am Residenztheater, in Kirchen und im Öffentlichen Raum – jene Menschen ansprechen, die weder Museen, noch Theater und Galerien besuchen und ausgerechnet ihnen, „magische Momente verleihen“, die „ in unserem Alltag verloren gegangen sind“.
Das Thema der Reise zieht sich auch wie ein roter Faden durch die Schau in den Werken des Kommunikationsdesigners und Fotografen Sebastian Krawczyk aus Niedersachsen. Neben mancher Fotoarbeiten, die dank ihrer „pinselartigen Strukturen“ an einem Grenzgebiet zwischen Fotografie und Malerei angesiedelt sind, wirken andere wie unscharfe Zeugnisse an Traumfahrten in südliche Regionen, wo die Farben Blau und Gelb die Wärme des Sandes und die Nähe des Meeres verspüren lassen. In anderen noch sind mit der Kamera dokumentierte Reiseimpressionen aus fernen Ländern von Armenien bis zum Polarkreis festgehalten. Beeindruckend die Serie, die Krawczyk Jerusalem widmet, in der die Heilige Stadt nicht – wie sonst oft üblich – als konfliktreichen Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen, sondern als Treffpunkt der verschiedenen Ethnien und Religionen dargestellt wird. „Last Icon“ heißt schließlich ein Bild mit beinah magnetischer Anziehungskraft, das die Aura einer Christusgestalt trägt und sich allein im letzten Raum Krawczyks Jerusalem-Serie gesellt. Es zählt zu der „Caputology“ genannten Reihe von teils mit Titel, teils namenlosen Gemälden des jungen Münchner Malers Simon von Barloewen, die nicht nur durch die großen Formate oder durch ihre Farbigkeit ins Auge stechen, sondern eher durch ihre enigmatische Ausstrahlung. Schon aus der Ferne lenken sie die ganze Aufmerksamkeit auf sich und entfesseln peu à peu ihre katalysierende Wirkung, am besten bei einem Perspektivenwechsel, wenn man sich die Schau nochmals rückwärts ansieht. Ihre Wandelbarkeit überrascht immer wieder aufs Neue, ohne je den Rätsel preiszugeben, der ihnen inne wohnt. Hypnotisierend wirken sie auf den Betrachter mit der Intensität ihrer Blicke, mit dem Ausdruck der Augen, die ihn durch den ganzen Raum verfolgen wie getränkt in einem Meer von Tristesse oder von einer Sehnsucht getrieben, die nie gestillt werden kann. Als „faszinierende Kopfgeburten“ bezeichnete die Münchner Presse die Bilder, als sie vor einigen Monaten im Kunstraum FLO zu sehen waren, und verwies dabei zurecht auf den Einfluss von Größen der Malerei wie Francis Bacon oder Lucien Freud und Otto Dix. Die farbenkräftigen, mal feuerroten mal ins Blaue abgleitenden, mit sicherem Strich gemalten Köpfe sind in der Tat keine Porträts, sondern Seelenlandschaften, die es langsam zu entdecken und zu erkunden gilt. Figürliche Werke auf dem Weg in die Abstraktion, unheimlich und geheimnisvoll in ihrer Aussage, wie die auch etwas rätselhaften mit schwarzer Tusche scheinbar rasch angefertigten Skizzen, die ein geglücktes Pendant zu den Gemälden bilden. Für den begabten Absolventen der Freien Werkstätte München und Studierenden der Münchner Kunstakademie mit bereits mehreren Ausstellungsbeteiligungen europaweit stellt diese Schau einen kleinen Höhepunkt in einer Laufbahn, die sich als vielversprechend ankündigt. Eine sehenswerte Ausstellung der Extraklasse mit Werken unterschiedlicher Art und Inspiration, die ein harmonisches Ganzes vor einer außergewöhnlichen Kulisse zusammenfügt. Zu sehen bis zum 28.11.2017 am Prinzregentenplatz 23 täglich zwischen 15:00 und 20:00 Uhr.
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