
Felix Adlon, Filmemacher und Spross der Berliner Hoteldynastie kämpft juristisch und publizistisch für eine Rückgabe der bekannten Luxusherberge am Brandenburger Tor – jüngst mit einem lesenswerten Buch über seine Urgroßstiefmutter Hedda Adlon.
Im Frühjahr 1945 endete für das Hotel Adlon in Berlin eine Ära. Im Mai feierten Rotarmisten dort ihren Sieg über Hitler, woraufhin das Gebäude fast vollständig abbrannte; und fast zeitgleich Louis Adlon sen., der Sohn des Hotelgründers unter ungeklärten Umständen zu Tode kam.
Wer das Inferno überlebte und erst 1967 starb, war Hedda Adlon, Louis‘ zweite Ehefrau und wichtige Chronistin der Hotelgeschichte. Hedda hatte in die Familie Adlon 1922 hineingeheiratet und galt lange Zeit als „schwarzes Schaf“, da Mann Louis seine erste Frau ihretwegen mit fünf Kindern hatte sitzenlassen.
Dabei sei es allein Hedda zu verdanken, dass der Name „Adlon“ bis heute gleichbedeutend steht für Luxus, Glamour und auch satte Steuereinnahmen für das Land Berlin, so Felix Adlon, der in seinem jüngsten Buch über die illustre Verwandte so manch spannende Anekdote zu erzählen weiß. In mehreren Kapiteln, aufgeteilt in Vor- und Rückblenden rund um die Gründung im Jahre 1907 und den Zusammenbruch 1945 zeichnet der Autor darin die wechselhaften Jahre eines Hotels, dessen originalgetreuer Neubau am Brandenburger Tor heute von der Jagdfeld Gruppe gemanagt und von Kempinski betrieben wird. Rund 26.000 Euro kostet im Adlon zurzeit eine Übernachtung in der „Präsidenten-Suite“.
„Historisches Unrecht“?
Pikantes Detail der Geschichte: Seit 1941 waren Hedda und Louis Adlon sen. NSDAP-Mitglieder, „weil es anders nicht gegangen“ sei, so Felix Adlon in mehreren Interviews. Was aber bis heute als Argument dafür herhält, an der von den Sowjets verfügten Enteignung juristisch festzuhalten, was der 1967 in München geborene Autor für ungerecht hält. „Denn Hedda und Louis waren auch am Widerstand gegen Hitler beteiligt“, sagt er. Mehrfach hätten Mitglieder des Umsturzversuchs vom 20. Juli 1944 im Adlon Besprechungen abgehalten, und immer wieder habe Hedda ihren Unmut über das NS-Regime zum Ausdruck gebracht und sei damit ein „hohes persönliches Risiko eingegangen“. Hotel und Grundstück an die Familie zurückzugeben, sei auch eine Frage historischer Gerechtigkeit, so Adlon, denn schließlich habe sie Krieg und Terror der Hitler-Diktatur nicht zu verantworten gehabt.
Offen ist, wie eine mögliche Entschädigung aussehen könnte. Eine Rückgabe des gesamten Hotelareals am Brandenburger Tor an die Familie Adlon erscheint wenig realistisch. Denn die Finanzierung des neuen Adlon Hotels erfolgte in den 1990er Jahren über einen geschlossenen Immobilienfonds, dessen Anteile heute nur noch über einen „Zweitmarkt“ gehandelt werden können, so Christian Plöger, Sprecher der Jagdfeld Gruppe. Sollte Felix Adlon letztinstanzlich doch noch obsiegen, käme aus Plögers Sicht keine Rückübertragung von Grundstück und Hotel in Betracht, sondern nur eine Entschädigungsleistung in Form von Geld durch das Land Berlin.
Forum für Kunst und Kultur
Im Brotberuf ist Felix Adlon Filmregisseur und Produzent, versteht also auch etwas von Pressearbeit und Selbstmarketing. Zudem ist er sechsfacher Vater, jüdischen Glaubens und häufig zu Gast in TV- und Radiosendungen. Die Tradition des Adlon als Familienbetrieb, als touristisches und gesellschaftliches Aushängeschild der Hauptstadt im vereinigten Deutschland wiederzubeleben, sei ihm eine Herzensangelegenheit, sagte Adlon, der auch eine Kochlehre absolviert hat, in mehreren Gesprächen mit Pressevertretern.
Mit seiner Frau Nina posierte er nach dem Ja-Wort vor wenigen Jahren im Garten der früheren Adlon-Villa in Potsdam-Neu Fahrland. Und neben ihren geschäftlichen Aktivitäten widmen sich die Eheleute seither auch der Kunst und Kultur, wozu das Hotel Adlon, das „Wohnzimmer Berlins“ schon heute einen passenden Rahmen bietet.
Felix Adlon Hedda Adlon Geliebt, gehasst, bewundert – Das unkonventionelle Leben der HotelköniginHeyne Verlag München, Veröffentlichung: 23.10.2024, 272 Seiten ISBN: 978-3-453-21884-0, Preis gebunden: 23 €